Die digitale Welle rollt

Drei Berufssparten sind von der Digitalisierungswelle besonders hart getroffen: Bank- und Postangestellte, sowie die Druckindustrie. Drei unterschiedliche Berufsfelder, eine Gemeinsamkeit: Die Welle überrollt sie!

Beispiel eins, die Postangestellten: In den nächsten Jahren streicht der gelbe Riese hunderte von kleinen Postläden abseits der grossen Zentren. Viele MitarbeiterInnen werden dadurch ihren Job verlieren. Beispiel zwei, die Bankenwelt: Was bei der Post bereits eingeleitet ist, wird bei den Banken erst noch folgen. Der digitale Geldverkehr, und die ständig wachsende Zahl der E-Banking Nutzer, wird Filialen und Kleinbanken in ländlichen Gebieten wegrationalisieren. Schalter Dienstleistungen werden passé.

Die letzte im Bunde, als drittes Beispiel, die seit Jahren serbelnde Druckindustrie. Erst kürzlich wurde bekannt, dass die Schliessung der Ringier Druckerei in Adligenswil nicht weniger als 170 Angestellten den Arbeitsplatz kosten wird. Kritische Kommentare der früher so dominanten Gewerkschaften blieben nahezu aus. Geschweige denn von Journalisten, die es sich mit Ihrem Brötchengeber, in diesem Fall Ringier, natürlich nicht verscherzen wollen. Solidarität sah mal anders aus. Die Druckbranche, vor allem der Zeitungsdruck, ist schon seit Jahren mit den Folgen der Digitalisierung konfrontiert.

Ich bin kein Gegner der Digitalisierung. Ich verschliesse mich weder dem Fortschritt, noch den damit verbundenen neuen Zukunftsmöglichkeiten. Ganz im Gegenteil, ich finde wir leben in einer hochspannenden und innovativen Zeitepoche. Und ich bin mir ebenfalls der Tatsache bewusst, dass durch die Digitalisierung zahlreiche neue und innovative Berufsbilder entstehen, bzw. noch entstehen werden. Und das macht doch durchaus auch Hoffnung.

Als Mensch, Coach und Berater hab ich da aber schon auch noch ein paar offene Fragen:

Was zum Beispiel passiert mit all den Betroffenen und Wegrationalisierten, und damit sind alle gemeint, nicht nur die der oben genannten drei Berufsgruppen? Wo landen sie, diese Gestrandeten? Schon klar, dass Erstbetroffene anfangs noch irgendwo und irgendwie mit Speziallösungen untergebracht, bzw. in kurzfristig konstruierten Übergangsjobs weiterbeschäftigt werden können. Betonung allerdings auf anfangs, quasi als kosmetische Beruhigungspille gegenüber der öffentlichen Wahrnehmung. Was aber passiert mit den später folgenden Pechvögeln der zweiten Entlassungswelle, diejenigen die in ihrem angestammten Berufsumfeld keinen Job mehr finden können, weil das Umfeld, oder der alte Job, gar nicht mehr existiert? Alles weg, die vielen Kleinfilialen der Post und der Banken, die Druckereibetriebe der Verlage – weggespült und verschluckt von der Digitalisierungswelle.

Romantische Wehmutserinnerungen sind hier fehl am Platz; denn machen wir uns nichts vor, die Digitalisierung dient in erster Linie wirtschaftlichen Interessen.Ein digitaler ersetzt zwei analoge Arbeitsplätze, so lautet die Gleichung, im besten Fall!

Ich bin täglich mit Veränderungsprozessen beschäftigt, sie sind meine Passion. Ich bin ein Befürworter von Veränderung, Weiterentwicklung und Fortschritt. Akzeptanz ist ein erster Schritt, um Veränderungsprozesse erfogreich einleiten zu können. Altes muss losgelassen werden können, damit Neues entstehen kann. Fakten, auch schmerzhafte, gehören auf den Tisch und müssen angesprochen werden. Erst dann können neue Lösungen entwickelt, gestaltet und umgesetzt werden.
Also Klartext

All die Opfer der Digitalisierungswelle, all die Arbeitslosen, Wegrationalisierten und Desillusionierten, sie müssen reale Rahmenbedingungen erhalten damit Veränderungsmöglichkeiten tatsächlich auch realisiert werden können. Mit Modellen aus Zeiten wirtschaftlicher Hochkonjuktur ist das nicht mehr möglich. Es geht nicht mehr um Wiedereingleiderung in den Arbeitsmarkt, es geht vielmehr um Neuausrichtung auf der Suche nach neuen Möglichkeiten. Dafür ist beispielsweise das veraltete RAV-Modell, mit seiner quotengetriebenen Beamtenstruktur, völlig fehl am Platz. Wir sollten uns langsam aber sicher mit dem Gedanken anfreunden, dass es immer weniger Arbeit, aber immer mehr Menschen gibt. Das heisst, es gibt viele Arbeitswillige die arbeiten wollen, aber aus obengenannten Gründen nicht (mehr) können. Dafür braucht es neue Ansätze, neue Modelle, neue Lösungen!

Betroffene haben es verdient, trotz schwieriger Umstände, sich weiter zu entwickeln und nach neuen Möglichkeiten suchen zu können. Ihnen sollte unsere ganz besondere Aufmerksamkeit gelten. Ich hoffe nicht nur ich, sondern auch die Politik und viele verantwortungsvolle Unternehmer sehen das genauso!
www.peterkorner.ch
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