SRG, Service Public und Journalismus im digitalen Umfeld

Ich schicke voraus, dass ich die No Billag Initiative völlig überzogen und gefährlich finde. Eine Annahme würde faktisch das Ende der öffentlich-rechtlichen SRG bedeuten. Aus heiterem Himmel kommt die Initiative jedoch nicht. Unter dem Strich ist dies die Quittung der jahrelangen Blockadepolitik seitens der SRG. Statt Konzessionen auch gegenüber den privaten Medienanbietern zu machen, hat sich die SRG immer weiter ausgebreitet.

Mit der digitalen Entwicklung muss auch der Service Public in diesem Kontext kritisch beleuchtet werden. Dies gilt nicht „nur“ für die SRG sondern auch für alle weiteren Service-Public-Angebote. Vielfalt und Wettbewerb sind im medialen Umfeld unerlässlich, damit die vierte Gewalt im Staat auch weiterhin ihre wichtige Rolle wahrnehmen kann. Es ist ein offenes Geheimnis, dass Google, Facebook und Co. für die privaten nationalen Medienunternehmen eine viel grössere Herausforderung bedeuten wie die SRG. Die Werbeeinnahmen der klassischen Medien schmelzen durch die Verlagerung zu den amerikanischen Tech-Unternehmen wie Eis an der Sonne zusammen. Gleichzeitig hat sich der Journalismus mit Gratiszeitungen und teils mangelhaften Online-Strategien faktisch zum Nulltarif an die Konsumenten verkauft.

Die Absicht der No Billag Initianten jedoch ist eine andere. Es geht vor allem darum, die SRG als öffentlich-rechtliches Medienunternehmen zu zerschlagen. Reine private Anbieter würden heute quersubventionierte Produkte der SRG aus Kosten-/Nutzengründen streichen. Vor allem sprachliche Minderheiten wie auch regionale mediale Angebote würden der privatwirtschaftlichen Logik zum Opfer fallen. Aufhorchen sollte vor allem die Stellungnahme von Christoph Blocher zugunsten der Initiative, da er als privater Medienunternehmer vor allem seine publizistische Machtbasis ausbauen könnte. Ich will keinen Milliardären-Medienmarkt à la Italien oder Frankreich.

Am Ende des Tages stellt sich die Frage, wie sich die Medienvielfalt in der Schweiz erhalten lässt. Damit die Menschen nicht in einschränkenden Filterbubbles à la Facebook und Co. gefangen sein werden. Medienkompetenz aus Sicht der Konsumenten ist ein gewichtiger Faktor, damit Qualitätsjournalismus auch zukünftig eine Überlebenschance hat. Die Verleger sind gefordert im Zuge der Digitalisierung neue Modelle zu finden, um guten Journalismus auch gut zu vermarkten.
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