Glücklich oder authentisch?

Authentizität ist eine gefährliche Angelegenheit. Wenn Menschen authentisch sind, werden sie schwierig. Sie stellen den Status quo infrage und lassen sich nicht zu Marionetten im Spiel anderer Leute machen.

Authentische Menschen wollen ihr Leben selbst bestimmen. Sie werden «die Mächtigen» immer auf ihre Legitimation hin prüfen. Je authentischer wir sind, desto mehr fordern wir auch Authentizität bei unseren Führungspersönlichkeiten und Institutionen.

Und wie steht es mit dem Glück? Mit dem sogenannten Glücksindex wird das Wohlbefinden gemessen. Die aktuelle Forschung zeigt, dass die glücklichsten Länder der Welt im nördlichen Europa liegen (Norwegen, Dänemark und Island), die Schweiz folgt an vierter Stelle. Soweit so gut – sicher?

Viktor Frankl sagte vor vielen Jahren: «Glück kann nicht erobert werden. Es muss von selbst kommen. Man muss einen Grund haben glücklich zu sein. Sobald dieser Grund gefunden ist, stellt sich das Glücksgefühl von selbst ein.»

Er meinte wohl damit, dass wir weder materiellen Äusserlichkeiten, noch gesellschaftlichen Befindlichkeiten allzu viel Vertrauen schenken sollten. Was echte Glücksgefühle betrifft, ist das eher dünnes Eis.

Statt Glücksindex, Authentizitätsindex? Leider gibt es einen solchen (noch) nicht. Dieser würde ausweisen, inwieweit Menschen das Gefühl haben, sie selbst zu sein, ihre Stärken, Talente und Fähigkeiten nutzen, und sich in die Gesellschaft einbringen zu können. Ich meine, solche Fragen zu stellen wäre wichtiger, als nach reinen Glücksgefühlen zu forschen. Sie müssten die Leitlinie bilden, an der die Politik und die Wirtschaft ihr Handeln ausrichtet. Müsste nicht das Streben nach Authentizität im Zentrum allen menschlichen Tuns stehen? Wozu sonst sind wir dann hier?

www.peterkorner.ch
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