Ghostwriting von der Antike bis in die heutige Zeit

Es liegt die Vermutung nahe, dass die Geschichte des Ghostwritings fast so alt wie die menschliche Schrift ist. So wurden bereits im antiken Griechenland die Grundsteine des Ghostwritings gelegt. Der wohl bekannteste Ghostwriter jener Zeit war der Logograph Isokrates. Dieser verfasste, wie auch andere, sowohl für Angeklagte als auch für deren Ankläger Gerichtsreden. Für diese Dienste eine monetäre Vergütung zu verlangen war nur den Logographen, nicht aber anderen Fürsprechern, gestattet. Die Gerichtsreden der Logographen dienen heute den Wissenschaftlern als historische Quelle.

Auch im alten Rom standen Ghostwriter im Dienst einiger Politiker. Damals war es durchaus üblich, dass sich die Politiker rhetorisch perfekte und genauestens ausgearbeitete Reden auf den Leib schreiben ließen. Einige von Senatoren vor dem Senat vorgetragene extrem wichtige Schriftstücke oder eingereichte Dekrete und Erlasse, stammen nicht aus dessen eigener Feder.

Die Definition des Begriffs Ghostwriting

Per Definition bezeichnet Ghostwriting das Schreiben eines Textes im Auftrag eines Kunden. Dieser veröffentlicht dann den Text unter seinem Namen und der eigentliche Verfasser bleibt gänzlich ungenannt. Hierbei ist jede Art von Text vorstellbar, seien es Reden, Werbeslogans, Romane oder gar Liebesbriefe. So geschehen beispielsweise auch bei Karl Marx, der hin und wieder gern die Hilfe seines Freundes Friedrich Engels in Anspruch nahm.

Das Ghostwriting in der heutigen Zeit

Auch in der heutigen Zeit ist die Inanspruchnahme eines Ghostwriters nicht unüblich und durchaus verbreiteter als allgemein angenommen. Ein auch als Phantom- oder Auftragsschreiber bezeichneter Ghostwriter ist immer mit einem offiziellen Auftrag zum Erstellen eines Werkes betraut. Manager und auch Politiker lassen in ihrem Auftrag kompetente Redenschreiber ihre Präsentationen und Reden fertigen.

Allerdings hat das Ansehen des Ghostwriting aufgrund der Plagiatsaffären einiger Politiker in der letzten Zeit immensen Schaden genommen. Aus diesem Grunde hat die Plagiatsprüfung eine wesentliche Bedeutung. Mittlerweile gibt es jedoch moderne Prüfungsmethoden und Verfahren, die eine detaillierte Überprüfung der Schriften erlaubt. Auch Autobiographien von Prominenten überschwemmen förmlich den Buchmarkt und in den seltensten Fällen ist die Autobiographie aus den eigenen geistigen Ergüssen des Prominenten entstanden.

Die Gründe für die Inanspruchnahme eines Ghostwriters sind vielfältig. Sie reichen von Schreibblockaden, akutem Zeitmangel bis hin zu fehlenden Kenntnissen des entsprechenden Genres.

Die Entwicklung des akademischen Ghostwritings

Seit den 1970er Jahren entwickelte sich das akademische Ghostwriting als eine ganz eigene Branche innerhalb des Ghostwritings und solche spezialisierte Agenturen entwickelten sich. Die Spezialisierung auf das Verfassen wissenschaftlicher Texte ist wohl die anspruchsvollste Form des Ghostwritings. Da die Wissenschaft breit gefächert ist, gilt dies selbstverständlich auch für das Spektrum des Ghostwritings. Dementsprechend wichtig ist es in diesem Bereich, dass die Autoren entsprechend qualifiziert sind und über fachspezifische Kenntnisse verfügen.

Dementsprechend eng ist die Geschichte des akademischen Ghostwritings auch mit der Geschichte des Hochschulwesens verknüpft. Eine qualifizierte fachliche und persönliche Begleitung sowie Betreuung der Studenten an den Hochschulen ist den Dozenten heutzutage kaum mehr möglich. Aus den vielfältigsten Gründen baut sich daher bei einigen Studenten und Absolventen ein immenser Druck auf, sei es die Angst vor Verschuldung während des Studiums, die Gefahr der Nichteinhaltung der Regelstudienzeit oder auch ganz private Probleme. All dies veranlasst Absolventen und Studierende häufig dazu Ghostwriter in Anspruch zu nehmen.

Bild: pixabay - CC0 Public Domain
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