Uta Köbernicks schwarze Lieder

Am letzten Freitag gastierte Uta Köbernick mit ihren "Rabenliedern" auf Einladung der Kunst- und Kulturkommission in Rothenburg. Die kompromisslose Kleinkünstlerin fordert in ihren Liedern und Kürzesttexten aktives Zuhören und Mitdenken, und wer dazu bereit war, erlebte 100 Minuten Kleinkunst vom Besten. Kleinkunst, die oft auch weh tut, Satire, die kompromisslos analysiert und entlarvend wirkt.

Sie ist sich des Dilemmas bewusst: ihr Auftritt pendelt ständig zwischen entlarvender Unterhaltung und bedrückend wirkender Offenbarung, überlässt den Zuschauer einem Wechselbad von Unterhaltung, persönlicher Betroffenheit und oft auch Ratlosigkeit. Ihre von einer persönlichen Auseinandersetzung oder Erfahrung mit dem jeweiligen Stoff geprägten Lieder machen die Stärke dieser Künstlerin aus, die für mich zu den besten der Schweizer Kleinkunstszene gehört. Sie schreckt auch nicht davor zurück, den Zuhörenden Unbequemes zuzumuten: man kann sich nicht einfach zurücklehnen und die beeindruckenden Texte und Reime geniessen. Aktives Mitdenken und Stellungnahme sind gefordert, und das Mit- und Nachdenken führt zu Erkenntnissen, die betroffen machen, unbequem sind. So geschehen in ihrem Lied zur Problematik der Wasserrechte oder bei dem immer wiederkehrenden "alles Verbrecher" bei ihrem Lied über die Politiker. Entlüften lässt sich wohl die Gitarre, nicht so leicht der Kopf des Zuschauers.
Uta Köbernick macht es sich bei ihren Texten nicht einfach. Überraschende Pointen, entlarvende Reime - es ist Knochenarbeit an und mit der Sprache. Ein passendes Beispiel: "Wegschauen hilft leider nicht – da sieht’s nämlich auch nicht besser aus." Programme von Uta Köbernick entstehen nicht einfach, sie entwickeln sich immer weiter. Und irgendwann wurden so aus dem vorherigen Programm "Sonnenscheinzeit" die "Rabenlieder" geboren.
Zwischen die Lieder streut Uta Köbernick persönliche Gedanken, Erfahrungen - geflügelte Rabenworte. Das Ganze wirkt sehr spontan, ein persönliches Spiel mit den Zuhörenden. Die Besucherinnen und Besucher in Rothenburg sind dieses Spiel eingegangen, haben gedanklich mit gearbeitet, was der grosse Schlussapplaus aufzeigte.
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beiUns Team aus Luzern | 07.05.2015 | 10:29  
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